Sektion 3: Vision, Visualisierung, Verifikation: Bilder in der Wissenschaftsgeschichte
Friederike Schäfer, Berlin

Geologische Profile, Informationsgrafiken und Daten-Livestreams. Wissenschaftliche Bilder zum Klimawandel in zeitgenössischen Ausstellungen

Der Beitrag adressiert das Thema „Bilder in der Wissenschaftsgeschichte“ im Kontext von zeitgenössischen Kunstausstellungen zum Thema Klimawandel. Anhand zweier Fallstudien, „Critical Zones. Horizonte einer neuen Erdpolitik“ (ZKM Karlsruhe, 2020–2022) und „Earth Indices. Die Verarbeitung des Anthropozäns“ (HKW Berlin, 2023), zeigt er auf, wie zeitgenössische Ausstellungen als Format nicht nur der Vermittlung von Wissen dienen, sondern selbst zu einem transdisziplinären und epistemologischen Medium werden, das verschiedene Arten und Formen von Wissen(-schaft) zusammenstellt, verhandelt, aber auch hervorbringt. Eine konkrete Beobachtung dazu ist, dass die Debatte um das „Anthropozän“ innerhalb der kulturellen Sphäre die negative Entscheidung des geologischen Fachgremiums zur Etablierung des Anthropozäns als neue Epoche maßgeblich mitgeprägt hat, die 2024 nach zehn Jahren Forschung getroffen wurde.
Der Fokus liegt auf der Analyse der Präsentationsformen von wissenschaftlichen Bildern innerhalb der Ausstellungen. Diese reichen von historischen Zeichnungen, Diagrammen und Fotografien, die Teil der etablierten westlichen Wissenschaftsgeschichte sind, über aktuelle Bildmedien in Videoarbeiten und Installationen bis hin zu wissenschaftlichen Referenzen in der Ausstellungsgestaltung und umfangreichen Displays mit Fachpublikationen und Archivmaterialien bis hin zu Live-Projektionen von Feldforschungsdaten. In der Form von Installationen werden Wissen(-schaft-)sbilder zu raumgreifenden, multimedialen Anordnungen. Eine zentrale Frage ist, welche Funktionen diese Bilder innerhalb der Ausstellungen einnehmen, insbesondere wenn diese auch Kosmologien einbeziehen, die mit dem westlichen Wissen(-schaft-)sdiskurs nicht kompatibel sind. Darüber hinaus bringen diese Ausstellungen durch ihre spezifischen Repräsentationsformen und gezielt eingesetzte ästhetische Mittel ein Bild von Wissenschaft hervor, das es ebenfalls zu analysieren gilt.
Friederike Schäfer
Freie Universität Berlin