Sektion 2: Organisationsstrukturen kunsthistorischen Wissens: Die Geschichte des Deutschen Verbandes für Kunstgeschichte als diskursives Feld
Anja Grebe, Krems / Martina Sitt, Kassel

Identität und Internationalität – Schwerpunkte der Verbandsentwicklung in Österreich im Vergleich zum Deutschen Verband für Kunstgeschichte

Der Vortrag beleuchtet ausgehend von der Gründung des Österreichischen Kunsthistorikerverbandes 1983 Fragen nach Selbstdefinition und Abgrenzung des Verbandes sowie der Positionsbestimmung und Stellungnahme in gesellschaftlichen Prozessen und Perspektiven, die auch für die Entwicklung des Deutschen Verbandes für Kunstgeschichte von Interesse sind. Hierzu können erstmalig vielfältige Materialien aus dem Archiv der 2003 in „Verband österreichischer Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker“ (VöKK) umbenannten Vereinigung ausgewertet werden. Dabei geht es nicht nur um Themen wie Mitgliedschaft, Tagungskonzeptionen und binationale Kooperationen. Vielmehr war die Profilbildung von Anfang an von einer diskursiven Auseinandersetzung mit der jeweils eigenen Identitätsformulierung geprägt, was sich auch in den Sitzungsprotokollen des Vorstands sowie Publikationen (z. B. „Der Kunsthistoriker“, ab 1984), niederschlug. Das gilt auch für die von Anfang an zentrale Rolle der Nachwuchsförderung und Ziele wie die Internationalisierung, die insbesondere durch die Entwicklungen ab 1989 nochmals neu zu beleuchten sind. Im VöKK, hervorgegangen aus einer Initiative von Mitgliedern des österreichischen Nationalkomitees des CIHA von 1981, wurde das Thema „Internationales“ bereits in die erste Satzung aufgenommen. Zu fragen ist allerdings, wie überzeugend es durchgehalten wurde. Weitere Aspekte sind frühe, kurienübergreifende Überlegungen zur Vermittlungsarbeit etwa an Schulen (u. a. Symposium „Schule-Museum-Kunstgeschichte“, Linz 1986) sowie die Diskussion um die Ausgestaltung eines ersten kuratorischen Studiengangs. Abschließend soll die Frage nach den verschiedenen Formen ebenso wie einer gewissen Institutionalisierung des Austauschs – innerhalb des Verbands und extern – diskutiert werden. Aus der Betrachtung der Verbandsgeschichte des VöKK ergeben sich auch mögliche Ansätze für weiter zu definierende Parameter in der Diskussion um die künftige Entwicklung des Deutschen Verbandes für Kunstgeschichte.
Anja Grebe
Universität für Weiterbildung Krems
Martina Sitt
Universität Kassel