Sektion 3: Vision, Visualisierung, Verifikation: Bilder in der Wissenschaftsgeschichte
Anne Bloemacher, Münster
Kunstwissen und Naturwissen im 18. Jahrhundert. Die druckgrafische Sammlung Eugens von Savoyen in Wien
Die umfangreiche druckgrafische Sammlung des Prinzen Eugen (heute Albertina, Wien) vereint sogenannte Reproduktions- und Künstler-Grafik, einerseits geordnet nach Schulen, Regionen und Künstler/-innen, andererseits enzyklopädisch nach Sachgebieten. Die Binnenstrukturierung sowie die Inhaltsverzeichnisse dieser als „Œuvres“ (Künstlerwerke) und „Matières“ (Sachgebiete) benannten Sammlungsteile lassen darauf schließen, dass es um Vermittlung von Kunstwissen und Naturwissen ging, es sich also nicht um reine „Bilderbücher“ handelte. Die Klebebände wurden in Prinz Eugens Bibliothek zusammen mit den Hand- und Druckschriften sowie der Sammlung von druckgrafischen Porträts aufbewahrt und bildeten somit einen gemeinsamen Wissensraum. Neben dem „ob“ und „wie“ der Wissensvermittlung innerhalb der beiden Sammlungsteile steht – vor dem Hintergrund der fortschreitenden Disjunktion von Natur- und Kunstgeschichte im 18. Jh. – die Frage, wie der empirisch ausgerichtete, entwicklungsbestimmte Zugang zu einer Geschichte der Kunst, der sich in den „Œuvres“ zeigt, von dem naturkundlichen Sammlungsteil der „Matières“ und dessen epistemologischen Gebrauch der Bilder informiert wurde. Dies soll am Beispiel der Französischen Schule aus den „Œuvres“ und den Bänden mit Darstellungen von Tieren (Vierhufer, Fische) aus den „Matières“ erläutert werden. Der Beitrag stellt erste Ergebnisse des gemeinsam mit Eva-Bettina Krems und Annette Kranz an der Universität Münster durchgeführten DFG-Projekts „Wissensraum, Materialität und Dynamiken des Transfers um 1700. Die Klebebandsammlung des Prinzen Eugen von Savoyen“ vor.
Anne Bloemacher
Universität Münster