Bilder und Bildkünste spielen in Globalisierungsprozessen eine zentrale Rolle – wenn nicht überhaupt gilt, dass sich Globalisierungsprozesse vor allem auch medial konstituieren und erfahrbar werden. Bilder und Objekte dienen als Kommunikationsmittel, für die Wissensdokumentation und den Wissenstransfer, wecken und stillen Neugierde, Besitzwünsche und ästhetische Interessen, zirkulieren als Waren usw. Diese Funktionen von Bildern und Objekten werden nicht erst heute betont. Für Reisende etwa waren sie immer schon maßgeblich. Dabei wird vielfach vorausgesetzt (immer noch und heute vielleicht mehr denn je), dass Bildwahrnehmung eine Art universal-gleichförmiges Vermögen sei. Die Sektion will dagegen die globalen ‚Inkommensurabilitäten‘ des Bilder-Wissens, die Missverständnisse, Entdifferenzierungen, Gefahren über die Jahrhunderte hinweg untersuchen. Das Spektrum dieser ‚Inkommensurabilitäten‘ kann dabei von technischen Hürden (ein unbekanntes Medium wird in seiner Darstellungsform nicht verstanden, ein Equipment für die Wiedergabe steht nicht zur Verfügung …) bis hin zu absichtlichem Nicht-Zur-Kenntnis-Nehmen reichen. Für die aktuelle Kunstgeschichte und Bildwissenschaft ergibt sich aus dieser Konstellation des Missverstehens unter dem Anschein des Mühelosen besondere Verantwortung.
Die Beiträge der Sektion, die von den Stichworten ‚Ananas‘ bis ‚Weltraum‘ reichen, sind so angelegt, dass sie die Herausforderungen lokaler (oder in anderer Hinsicht gruppenspezifischer) Verständnisweisen global zirkulierender Bilder im Hinblick auf Bedeutungsverschiebungen, Missverständnis oder Nichtwissen analysieren. Darüber hinaus werden historische Standpunkte und Sichtweisen, Machtverhältnisse und Wahrnehmungen des ‚Anderen‘ herangezogen, um die Produktion von (Nicht-)Wissen durch Transfer zu rekonstruieren.