Wie manifestiert sich Wissen materiell, und welche epistemischen Konsequenzen folgen daraus? Setzt Erkenntnis Wissen voraus oder führt sie zu Wissen und welche Annäherungen an diese grundlegenden Fragen ermöglichen künstlerische und räumliche Konfigurationen? Basierend auf solchen Überlegungen rücken die komplexen Beziehungen zwischen der materiellen Gestaltung von Wissensbehältern – seien es Kunstwerke oder Räume – und deren Funktion bei der Produktion, Speicherung und Vermittlung von Wissen ins Zentrum der Sektion. Solche Wissensbehälter sind dabei nicht als neutrale ‚Container‘ zu verstehen, sondern greifen aktiv in Prozesse der Wissensordnung hinein. Ihre Gestalt und ihr Kontext tragen wesentlich dazu bei, ob und wie Wissen zugänglich gemacht oder verborgen, geordnet oder transformiert wird. Besondere Aufmerksamkeit gilt daher ebenfalls den Dynamiken von Enthüllen und Verhüllen, von Opazität und Transparenz, die sowohl in den Werken selbst als auch im praktischen Umgang mit diesen wirksam werden.
Wie diese Ansätze und Dynamiken konkret entfaltet werden können, veranschaulichen die Vorträge dieser Sektion. Sie spannen einen Bogen von modernen musealen Perspektiven und vormodernen Sammlungen bis hin zu historischen Untersuchungen von mittelalterlichen Bucheinbänden, frühneuzeitlichen Intarsienarbeiten und Phänomenen der Fluxus Mail Art. Auf exemplarische Weise sollen so die vielfältigen Dimensionen von Wissensbehältern sichtbar gemacht werden. Zugleich verbindet die Beiträge die Überzeugung, dass die ‚Hülle‘ konstitutiv für die ‚Fülle‘ des Wissens ist und sich gerade in diesem Spannungsfeld neue Erkenntnisräume eröffnen.