Populäre Bilder prägen seit Jahrhunderten kollektive Vorstellungen – und werden zugleich von diesen dynamisch geformt. Sie sind keine bloßen Spiegel gesellschaftlicher Realitäten, sondern wirken als Akteure, die Wissen erzeugen, Zugehörigkeit stiften, Erinnerungen ordnen und Konflikte austragen. Ihre besondere Kraft liegt in der Verbindung von Wiedererkennbarkeit, massenhafter Verbreitung und situativer Aneignung.
Die Sektion untersucht, wie sich Deutung, Funktion und Wirkungsmacht von Bildern durch ihre Popularität verändern. Im Fokus stehen Prozesse der Zirkulation, Transformation und Kontextverschiebung: Bilder, die lokale historische Narrative stabilisieren, können in neuen Medien oder Zeiten ganz andere Bedeutungen entfalten; visuelle Formen, die einst als ‚niedrig‘ galten, treten in Konkurrenz zu etablierten Kanonvorstellungen; globale Konsum- und Unterhaltungszusammenhänge lassen Bildtraditionen neue Rollen übernehmen; digitale Bildwelten wiederum eröffnen erweiterte Spielräume, in denen Geschichte, Gegenwart und Zukunft modelliert werden.
Die Beiträge der Sektion spannen einen Bogen von vormodernen bis gegenwärtigen Medien, von regional verankerten Bildpraktiken bis hin zu globalisierten Konsumkulturen und digitalen Universen. Gemeinsam zeigen sie, dass populäre Bilder in ganz unterschiedlichen historischen Momenten und kulturellen Kontexten als dynamische Wissensformen wirken – stets zwischen Unterhaltung und Ernst, zwischen lokaler Identitätsbildung und globaler Zirkulation, zwischen kultureller Verankerung und utopischem Überschuss.