Wie für jede Wissenschaftsgeschichte gilt auch für diejenige der Kunstgeschichte, dass sie nicht linear, sondern in Sprüngen verläuft. Verfestigung und Auflösung von Erkenntnissen und Überzeugungen wechseln sich ab, abhängig von Konjunkturen bestimmter Methoden, Modelle und Narrative. Die Sektion untersucht, wie sich zu unterschiedlichen Momenten die Kunstgeschichte als Wissenschaft im Prozess zwischen Konflikt und Konsens herausbildet und welche Faktoren hierfür bedeutsam sind.
Wir möchten folgende Fragen diskutieren: 1. Wer oder was schafft Wissen in der Kunstgeschichte? Da die Rolle einzelner Gelehrter meist überschätzt wird, soll das Augenmerk auf Diskursen und Denkkollektiven liegen, die Paradigmen am Leben halten oder zu ihrem Wechsel beitragen. 2. Wie wird Wissen vernetzt und gebündelt – und wie dekonstruiert? Untersucht werden sollen Praktiken, Dynamiken, Medien und Instrumente der Verfestigung und Auflösung von Wissen (beispielsweise mit Blick auf Enzyklopädien und Überblickswerke). 3. In welchem Verhältnis steht das Wissen der Kunstgeschichte zu ihrem gesellschaftlichen Außen?
Die Wissenschaftsgeschichte tendiert dazu, nur wissenschaftsimmanente Faktoren wie Methodendiskussionen etc. als ausschlaggebend für ihren Wandel zu erachten. Wie aber ist das Verhältnis des jeweiligen kunsthistorischen Wissens zu gesellschaftlichen Debatten, zu ökonomischen und (wissenschafts-)politischen Entscheidungen, die es generieren, formatieren, subventionieren oder auch verhindern?