Fachforum Angewandte Künste – Schatzkunst, Interieur und Materielle Kultur

Die angewandten Künste in der (universitären) Lehre

Moderation: Birgitt Borkopp-Restle, Bern / Ariane Koller, Tübingen

Beitrag:

  • Julia Trinkert, Düsseldorf

In den Curricula der meisten kunsthistorischen Studienprogramme spielen die angewandten Künste kaum eine nennenswerte Rolle, und dies, obwohl ihre Bedeutung für die fürstliche wie die bürgerliche Repräsentation längst bekannt und auch anerkannt ist. Das Interesse, das in den letzten Jahren Phänomenen der frühen Globalisierung und des kulturellen Austauschs galt, hat für bestimmte Materialien wie auch für Praktiken des Handels und des Objektgebrauchs größere Aufmerksamkeit – und gelegentlich Lehrveranstaltungen – generiert; zu einer soliden Objektkenntnis sowie einem vertieften Verständnis von Materialitäten und Produktionstechniken hat auch dies jedoch kaum geführt.

Für diese Marginalisierung gibt es Gründe: Immer noch scheint – ausgesprochen oder unausgesprochen – eine Hierarchie der Künste zu gelten, die der Trias von Malerei, Skulptur und Architektur Priorität einräumt. Komplexe Formen und spezifische Materialqualitäten ausspielend, entziehen sich Objekte der angewandten Künste oftmals der Untersuchung und Vermittlung durch visuelle Medien und damit der Lehre im Hörsaal oder Seminarraum; Exkursionen in Sammlungen oder auch Restaurierungsateliers verlangen größeren Zeit- und Vorbereitungsaufwand. Schließlich erfordern Werke, an deren Herstellung mehrere Personen beteiligt waren (und dies meint nicht allein eine simple Dualität von Entwurf und Ausführung), also nicht einem einzelnen Künstler oder einer Künstlerin als Urheber/-in zuzuweisen sind, einen anderen methodischen Zugriff, als ihn eine traditionelle Kunstgeschichte lange praktiziert hat.

Um die angewandten Künste in der kunsthistorischen Lehre stärker berücksichtigen zu können, sind neue – oder jedenfalls: deren spezifische Eigenarten berücksichtigende – Lehrformate erforderlich. Sie können und sollten auch außeruniversitäre Institutionen einbeziehen und hier vorhandene Kompetenzen für eine vertiefte Auseinandersetzung mit Objekten nutzen. Das Fachforum diskutiert die aktuelle Situation, präsentiert neue Lehrformate und Inhalte und stellt diese zur Diskussion.

 

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