Textile Inszenierungen und Raum­dramaturgien

Leitung: Sabine de Günther, Potsdam / Katrin Lindemann, Berlin

Das Textile strukturiert einen Raum, überführt von einer zweidimensionalen Fläche in einen dreidimensionalen Körper, kann einen Raum füllen, ordnen, gestalten und (haptische) Sinnhaftigkeit stiften. Die Geschichte des Textilen ist bereits aus multidisziplinärer Sicht analysiert worden, doch ist die konzeptionelle Gestaltung eines Raumes durch sie ein bislang nur marginales Phänomen geblieben. Annäherungen an das Textile im Raum fanden bislang durch Restaurierungsprojekte, kunsthistorische Objektforschung im Museum oder innerhalb der Interieurforschung statt, bei der das Textile oftmals eine untergeordnete Rolle spielte. Doch gerade die jüngsten Ausstellungen zur Textilkunst beziehen den Raum und die Bewegung des Besuchers im Raum als dramaturgisches und dynamisches Mittel ein, wie es Arbeiten von z.B. Chiharu Shiota, Louise Bourgeois oder Magdalena Abakanowicz zeigen. Vereinzelt nahmen kuratorische Auseinandersetzungen Textilien als raumgestaltendes Mittel in den Fokus, wie die Ausstellung „Hinter dem Vorhang“ aus dem Jahr 2016.

Vor diesem Hintergrund beleuchten die ausgewählten Beiträge Textilkunst und textile Gestaltung in ihrer Interaktion mit Raum und Räumlichkeit. Der zeitliche Bogen wird von historischen Ausformungen bis zu aktuellen Tendenzen gespannt. Friederike Quander analysiert die Semantik des Baldachins im Kirchenraum am Beispiel des Schöpfungsteppichs in der Kathedrale von Girona an der Schwelle vom 11. zum 12. Jahrhundert. Verflechtungen von Raumdenken im Textilen und im Städtebau der 1930er Jahre lotet Sandra Neugärtner am Beispiel des Textilentwurfs „Metro“ von Lena Meyer-Bergner aus. Sandra Imko untersucht Räumlichkeit, Materialität, Schutzfunktion und Formen des Widerstandes in der mittel- und osteuropäischen Textilkunst der 1960er Jahre. Der vierte Beitrag widmet sich der Deutung und kuratorischen Praxis von textilen Rauminstallationen der zeitgenössischen chilenischen Künstlerin Cecilia Vicuñas aus einer postkolonialen Perspektive.

 

 

Kurzbiografie Sabine de Günther
1997Studium der Kunstgeschichte, Medienwissenschaften und Romanischen Philologie in Marburg, London und Venedig
seit 1997freiberufliche Tätigkeit als Kunsthistorikerin (Staatliche Museen zu Berlin, Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg u. a.), Lehrveranstaltungen an der FU, HU und HTW Berlin
2013–2016Wiss. Mitarbeit am Exzellenzcluster „Bild Wissen Gestaltung“, Projekt „Mehrdimensionale Sammlungserschließung“ an der Humboldt-Universität zu Berlin
2016–2020Promotion an der Humboldt-Universität zu Berlin („Bildkosmos der Moden. Die Gemäldesammlung von Franz und Frieda von Lipperheide“)
2018Stipendiatin am Exzellenzcluster „Bild Wissen Gestaltung“ an der Humboldt-Universität zu Berlin
2020–2023Wiss. Mitarbeit am UCLAB der Fachhochschule Potsdam, Projekt „Restaging Fashion. Digitale Kontextualisierung vestimentärer Quellen“
Forschungs- bzw. Arbeitsschwerpunkte Kleiderforschung; Druckgrafik; digitale Kunstgeschichte; Informationsvisualisierung
Publikationsauswahl
  • Der Regency-Dandy, in: Adelheid Rasche und Gundula Wolter (Hgg.): Ridikül! Mode in der Karikatur 1600 bis 1900, Berlin 2003.
  • (Hg. mit Philipp Zitzlsperger) Signs and Symbols. Dress at the Intersection between Image and Realia, München 2018.
  • (mit Thekla Weissengruber) Von Rekonstruktionen zu Transformationen: Zur Bildfindung historischer Kleidung am Beispiel der Blätter für Kostümkunde und ihre Nutzung als Wissensformation im musealen Kontext, in: netzwerk mode textil e.V.: Jahrbuch nmt 2020, S. 6–17.
  • Bildkosmos der Moden: Die Gemäldesammlung von Franz und Frieda von Lipperheide. Genese – Kontext – Ausgewählte Werke, Berlin 2022.
Kurzbiografie Katrin Lindemann
2000–2003Ausbildung zur Damenschneiderin in Moers
2003–2010Studium der Kunstgeschichte, Klassischen Archäologie und Katholischen Theologie in Münster und Wien
2010–2014Wiss. Hilfskraft an der Universität Paderborn
2010–2018Promotion an der Universität Paderborn („Historische figürliche Baumwolldruckstoffe im Kontext von Herstellen, Verwenden, Sammeln, Ausstellen und Vermitteln“)
2014–2016Wiss. Museumsassistentin i. V. am Kunstgewerbemuseum – Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz
2018–2020Mitarbeit im BMBF-Forschungsprojekt zu Farben in der Mode am Deutschen Textilmuseum Krefeld
seit 2020Wiss. Mitarbeit und Kuratorin für Mode, Textil und Schmuck am Kunstgewerbemuseum – Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Forschungs- bzw. Arbeitsschwerpunkte Textildruck des 18./19. Jh.s; Moden vom 18. Jahrhundert bis heute; textile Flächengestaltung; zeitgenössisches Mode- und Textildesign
Publikationsauswahl
  • (Hg. mit Iris Kolhoff-Kahl) Muster in Mode-Textil-Design. Festschrift für Prof. Dr. Jutta Beder, Münster 2013; darin: Was kann uns ein Stoffmuster erzählen? Chancen und Grenzen der methodischen Quellenforschung, S. 27–51.
  • Uli Richter revisited, Berlin 2016.
  • Farbenrausch, in: Annette Paetz gen. Schieck und Isa Fleischmann-Heck (Hgg.): Zeitkolorit – Mode und Chemie im Farbenrausch: 1850 bis 1930, Oppenheim 2019, S. 12–24.
  • Historische figürliche Baumwolldruckstoffe im Kontext von Herstellung, Verwenden, Sammeln, Ausstellen und Vermitteln, Baden-Baden 2021.